Kleine Schritte, große Schritte – andachten.tv #47

Bild: stockpics / fotolia.de

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„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit!“

Wer kennt diesen Satz von Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond nicht. Ein Satz, welchen er aussprach, als er den ersten Fuß auf den Erdtrabanten setzte und damit bewies, wie viel der Mensch erreichen kann.

Mit dieser großartigen technischen und menschlichen Leistung will und kann kaum etwas aus unserem täglichen Leben verglichen werden. Doch im Leben eines jeden Menschen gibt es Moment, welche zu denken geben. Momente, welche vielleicht viel zu klein erscheinen, als dass sie eine große Wirkung auf eines Menschen Leben haben könnten.

Und doch passieren sie jeden Tag.

Geschehnisse, sinnbildlich für das eigene Leben oder gar den ganzen Lebensweg, ereilen uns meistens dann, wenn wir sie am wenigsten erwarten.

In einem großen Bürogebäude musste ich heute in die zweite Etage. Als ich in das Gebäude eintrat, sah ich das Treppenhaus. Unmittelbar daneben befanden sich die doch ach so verlockenden Aufzüge. „Einen kleinen Knopf drücken. Ping. Und schon bist Du oben“, schoss es mir durch den Kopf.

Doch wie Engelchen und Teufelchen auf der Schulter kam plötzlich eine andere Stimme zum Vorschein: „Willst Du nicht lieber die Treppe nehmen? So weit ist es doch nicht. Und außerdem tut es Dir gut“, sprach sie zu mir.

In Sekundenbruchteilen durchlebte ich einen ungeheuerlichen Kampf in mir selbst. Da war die Gemütlichkeit gegen den Verstand angetreten, das schlechte gegen das gute Gewissen.

Heute wollte ich etwas Gutes tun. Eine Klitzekleinigkeit für mich. Und so entschied ich mich, die Treppe zu nehmen.

Gewaltig erschienen die Stufen vor mir. Wie durch ein Mikroskop beobachtete ich sie, konnte ihre Maserung erkennen und empfand jede einzelne von ihnen, als wäre es ein Bollwerk gegen meinen freien Willen, das ich überwinden müsste. Das Treppenhaus war auch links und rechts von dunklen glatten Wänden eingekerkert. Wie in einem Horrorfilm schienen diese Wände langsam auf mich zuzukommen, verengten mit jeder Stufe, die ich voller Stolz nahm, den Weg nach oben.

„Und jetzt erst recht“, spornte ich mich selber an und machte mir Mut.

Langsam stieg ich diesen Mount Everest der Treppenhäuser empor.

Stolz breitete sich in meiner Brust aus. Wie ein Sportler, der seinen ersten Maranthon laufen musste, kam ich mir vor. Aber ich wollte es schaffen. Das hatte ich mir geschworen.

So nahm ich Stufe für Stufe, Schritt für Schritt, im *Schweiße meines Angesichts* schleppte ich die gefühlte hunderte von Kilogramm wiegende Tasche diese endlos erscheinenden Wege hinauf.

Als ich dann oben ankam, bemerkte ich, wie leicht ich atmen konnte, wie schnell der Weg dann doch gewesen war. Meine Vorstellung, ich müsste hier aktivsportlerisch einen hohen Berg erklimmen konnte ich mit der Wirklichkeit plötzlich nicht mehr übereinbringen. Alles war so einfach gewesen.

Irritiert drehte ich mich um, warf einen letzten Blick auf mein *Meisterwerk* und ging beschwingten Schrittes weiter.
„Das mache ich jetzt öfters“, sprach ich mir Mut zu und ertappte mich den Rest meines Tages tatsächlich dabei, mehr und mehr Wege zu Fuß zu gehen.

Die größte Aufgabe ist tatsächlich zu schaffen, wenn man sie einfach nur in genügend kleine Schritte einteilt. Auf diese Art und Weise sind uns Menschen keine Grenzen mehr gesetzt.

Text: Thorsten Haßiepen
Bild: stockpics / fotolia.de

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