Was wir alle brauchen – andachten.tv #41

Bild: baranq / fotolia.de

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Was wir alle brauchen, sind Zeiten der Ruhe.

Zeit für uns selbst.

Zeit, in welcher wir nichts, außer uns selbst bei uns haben. Wo kein Mensch in der Nähe ist, kein Geräusch uns ablenkt und wir einfach nur alle Sinne entspannen können.

So gerne wir auch andere Menschen, vor allem die Menschen, die wir lieben, um uns haben mögen. Wir brauchen auch Zeiten, in denen wir Abstand haben, Ruhe finden und uns um nichts kümmern müssen, sondern einfach nur eben diese Zeit mit uns allein genießen dürfen.

In diesen Zeiten wollen wir keine Geräusche der Zivilisation wahrnehmen, kein Auto, keine Musik, keine Gespräche, nichts. Vielleicht wollen wir nur das Plätschern eines Flusses, das Rauschen der Wellen am Meer oder der Blätter im Wald und das fröhliche Singen der Vögel wahrnehmen.

Und auch wenn das dann gar nicht so leise ist, empfinden wir es als unendliche Ruhe, weil wir Abstand finden von all dem, was uns sonst im Alltag umgibt, fordert und zu oft auch belastet.

Manchmal gehen wir sogar so weit, dass wir uns den kompletten Ausstieg aus unserem jetzigen Leben wünschen, ausbrechen möchten und uns eine einsame Insel in der Südsee herbeiwünschen. Dann wollen wir alles, Beruf, Wohnung, sogar die Familie hinschmeißen und nur noch flüchten. Ändern wir dann nichts in unserem Leben, brennen wir innerlich aus, denn wir fühlen uns fremdbestimmt und nicht mehr in Kontrolle unseres eigenen Lebens.

Das sind schlimme Zeiten. Und wir sollten, ja müssen dann auf uns selbst achten, unserer inneren Stimme endlich zuhören, welche wir im alltäglichen Leben viel, viel zu oft so gekonnt ignorieren.

Doch wie können wir das machen? Wie kommen wir dahin? Wie entkommen wir dem Hier-und-Jetzt?

Existentielle Fragen quälen uns: „Darf ich das alles aufgeben? Lasse ich meine Familie im Stich? Schaffe ich das? Werde ich das überleben?“ … wie sollen wir da in eine Ruhe entkommen, wenn unser Kopf voll von diesen Dingen ist?

Nun, die Kunst liegt darin, früh genug uns selbst zuzuhören und nicht erst dann, wenn das Kinde schon in den Brunnen gefallen ist.

Nehmen wir uns dann Zeit für uns selbst, wenn wir diese Zeit wirklich brauchen. Nicht dann, wenn erst die Umstände vermeintlich richtig sind, alles passt und wird „Zeit dazu finden“, Zeit zu haben.

Letzteres ist nämlich ein Trugschluss und letztlich eine Verschiebung der Verantwortung für unser eigenes Leben auf imaginäre äußere Umstände, welche wir als logische Begründung dafür heranziehen, weshalb dieses oder jenes in unserem Leben nicht so funktioniert, wie wir es selbt jetzt gerne hätten.

Der Klassiker dabei ist: „Dafür habe ich jetzt keine Zeit.“

Doch wir alle kennen auch die Antwort, welche unser Leben vielen anderen Menschen schon in ihr Stammbuch geschrieben hat: „Wenn Du Dir jetzt keine Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens nimmst, wird das Leben irgendwann diese Zeit von Dir auf brutale Art und Weise abverlangen.“ Sei es durch Krankheit, durch körperliche oder seelische Schmerzen, die Trennung von einem geliebten Menschen, den Verlust des Arbeitsplatzes, an welchem man sich so unabkämnlich wähnte … ode, oder, oder …

Die äußeren Umstände, welche wir so gerne dafür ins Feld führen, dass wir bestimmte Aufgaben jetzt gerade nicht machen könnten, finden immer nur zwischen unseren eigenen beiden Ohren statt. Wir sehen es so. Wir sind auch davon überzeugt. Aber immer, wirklich immer, gibt es auch eine Alternative.

Das merken wir am besten, wenn wir uns „einfach so“ einmal dazu entschließen, aus unserem täglichen Trott auszusteigen und „etwas verrücktes“ zu machen. Irgendwie gelingt es uns dann immer.

Und genau da liegt der Schlüssel zu der Ruhe, welche wir alle irgendwann in unserem Leben brauchen.

Wir wollen Sie einfach suchen, sie finden, sie uns nehmen.

Meist sind es eben nicht die Aussteigerphantasien, welche uns unseren Job hinschmeißen und nur noch aus dem Rucksack durch die Welt ziehen lassen. Meist sind es die kleinen Momente, welche sich fast von selbst einstellen und in denen wir unendliche innere Ruhe finden.

Für alle, die mit dem Gedanken spielen, die große Welt erreisen zu müssen, um die eigene Ruhe zu finden, sei gesagt: „Ihr nehmt Euch selbst immer mit.“

Ihr nehmt Eure eigenen Sorgen, Eure Frustrationen, Eure Ängste, Eure eigenen Einschränkungen immer mit, egal wo Ihr hingeht.

Es ist eben nicht so, dass man alle Umstände, die uns in diese gefühlte persönliche Misere getrieben haben, einfach wie einen alten Mantel ablegen können. Sie sind uns schließlich auch ein wenig zur Gewohnheit geworden, sind ein Teil von uns.

Und weil sie auch ein Teil von uns sind, dürfen wir sogar dankbar dafür sein, dass wir diese teils schlimmen Umstände erfahren dürfen.

Natürlich klingt dies seltsam, doch wir sind wir, weil wir so sind, wie wir sind und weil wir erlebt haben, was wir erlebt haben. Dinge, die wir getan haben oder die uns geschehen sind, können wir nicht ungeschehen machen. Doch wir können aus ihnen lernen, uns verbessern … und damit auch unsere Situation verbessern.

Und genau dafür brauchen wir dann auch unsere Ruhe. Wir dürfen uns nicht weiter betäuben, indem wir den wichtigen Fragen unseren Lebens, den Herausforderungen, den Chancen aus dem Weg gehen. Wir dürfen uns nicht durch das, was „man“ von uns verlangt, ablenken lassen und dahinter verstecken.

Wir wollen endlich lernen, die Verantwortung für unser eigenes Leben auch ganz allein zu tragen. Und das wollen wir auch mit Mut, Ausdauer und frohem Geist anpacken. Wir brauchen uns nicht zu fürchten, wir können zuversichtlich sein.

Wir dürfen uns trauen, auch einmal „Nein“ zu anderen Menschen und den uns von diesen aufgetragenen Arbeiten zu sagen. Dies bedeutet nicht, dass wir uns von nun an gegen alles auflehnen müssen und auch dem Chef mitzuteilen, er möge seine Anweisungen doch dann bitte auch selbst durchführen und solle dafür die Verantwortung übernehmen.

Es bedeutet aber, uns entscheiden zu wollen, ob der Weg, für den wir uns bis hierhin entschieden haben, der Weg ist, welchen wir noch weiter gehen wollen oder ob wir innehalten und uns neu orientieren.

Dazu brauchen wir auch nicht alles über Bord zu werfen und uns selbst neu zu erfinden.

Es reicht oft ein wenig Ruhe. Ruhe und Zeit. Ruhe und Zeit und Besinnung. Besinnung auf das Wesentliche … auf uns!

Nehmen Sie sich Ihr Lieblingsbuch und setzen Sie sich einmal an einem Tag, an dem Sie eigentlich noch so viel vorhatten, einfach an Ihren Lieblingsort und lesen Sie ganz in Ruhe. Sorgen Sie dafür, dass Sie niemand stört, Sie nicht abgelenkt werden, Sie einfach nur genießen können.

Gehen Sie raus in die Natur und erleben Sie die wärmenden Sonnenstrahlen auf Ihrer Haut, die oft eigenartigen Klänge, wenn Zivilisationsgeräusche vollkommen fehlen. Atmen Sie tief die frische Luft ein und spüren, wie das Leben sich in Ihren Lungen versammelt.

Es braucht oft so wenig. Auch braucht es oft noch nicht einmal unendlich viel Zeit. Es braucht nur die Zeit, die wir uns nehmen.

Und diese Zeit ist immer da. Wir wollen uns einfach nur für sie entscheiden. Wir wollen sie wahrnehmen.

Anstatt mit Freunden oder Bekannten auf das nächste Konzert zu gehen, weil wir nun einmal zugesagt haben … dagen Sie doch einfach ab und genießen einen Abend ganz in Ruhe.

Und jetzt aufgepaßt: Geht Ihnen jetzt gerade durch den Kopf, dass Sie doch, wenn Sie auf ein Konzert gehen, sich mit anderen Menschen in einer Kneipe unterhalten, sich mit anderen Menschen verabreden, laute Musik hören oder irgendetwas unternehmen wollen, sich eben so entspannen können?

Dann fragen Sie sich jetzt: „Achte ich dabei auf mich selbst oder renne ich letztlich nur davor weg, mich mit mir selbst beschäftigen zu wollen?“

Was auch immer Ihre Antwort ist, sie wird Sie ein wenig verändern. Sie wird etwas in Ihnen bewegen.

Ich habe noch keinen Menschen kennengelernt, egal wie unternehmungsfreudig dieser Mensch war, welcher nicht zu irgendeinem zeitpunkt in seinem Leben sagte: „Ich will einfach nur meine Ruhe haben.“

Nehmen Sie sich diese Ruhe jetzt und in Ihrem Alltag … bevor es irgendwann zu spät ist und Sie sich diese Ruhe nicht mehr gönnen können, sondern Sie nehmen müssen. Denn dann ist dies auch keine Ruhe mehr, sondern eine ungewollte Verpflichtung.

Achten Sie auf sich selbst. Nehmen Sie hier und da eine kleine Auszeit, ganz bewusst und auch geplant.

Überlegen Sie in diesen Zeiten, was Ihnen wichtig ist, was Sie wirklich machen wollen und wie Sie vielleicht Ihr Leben ändern wollen, damit Sie Ihre Ziele und Träume erreichen werden.

Mir selbst hat es unendlich geholfen, mir einfach jeden Tag oder jedenfalls an der Mehrheit der Tage in einer Woche Zeit für mich selbst zu nehmen und manchmal nur eine halbe Stunde mich mit Dingen zu umgeben oder über etwas nachzudenken, was ich immer schon einmal machen wollte. Sei es, einen täglichen Text zu schreiben, Strukturen meiner Arbeitsweise zu überdenken, Ziele zu beschreiben, ein wenig Sport zu treiben, meine Familie bewusst in den Arm zu nehmen oder auch einfach nur ir die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Was auch immer es war, es war wie ein Urlaub in dem sonst oft so hektischen Alltag.

Und diese Zeit steht uns immer zur Verfügung. Wir haben manchmal das Gefühl, sie sei nicht da. Doch wenn wir dann sie uns einfach nehmen und nicht dem uns aufgedrückten Trott nachfolgen, so finden wir sie auch.

Meistens sind diese „Fluchtpunkte“, wie wir sie einmal nennen wollen, viel näher, als wir denken oder uns vorstellen können. Denn auch sie sind schon jetzt ein Teil von uns, welches uns begleitet, uns erfüllt, uns vervollständigt.

Nehmen wir uns die Zeit. Denn mit dieser Zeit, wird alles gut.

Text: Thorsten Haßiepen
Bild: baranq / fotolia.de

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