Warum eigentlich nicht? – andachten.tv #37

Bild: Antonioguillem / fotolia.de

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An diesem schönen Morgen sitze ich in einem Kaffee an einer leider viel zu befahrenen Straße, trinke eine Tasse des leckeren braunen Gebräus und warte darauf, dass die Zeit vergeht. Gleich gehe ich zu einem Gerichtstermin. Da die Parkplätze rund um das Gerichtsgebäude aber meistens vollkommen überlastet sind, bin ich bereits sehr früh losgefahren und habe tatsächlich direkt in der Nähe meines Ziels einen der begehrten freien Stellflächen ergattert. Nachdem ich mich vergewissert habe, dass dort keine Einschränkungen bezüglich der Möglichkeit und der Dauer des Parkens bestehen, habe ich erkannt, wie viel Zeit ich nun noch habe und mich entschlossen, erst einmal etwas für meine Seele zu tun.

So sitze ich nun hier und schreibe auf meinem iPad einen kleinen Text. Die Überschrift war schnell gefunden. Denn im Trubel des morgendlichen Wahnsinns, welchen ich von hier aus bei praktisch allen Menschen beobachten konnte, sitze ich hier in feinem Zwirn an einer Straßenecke und tippe genußlich einen Kaffee schlürfend auf meiner Tastatur vor mich hin und genieße diese ruhigen Minuten.

Ein besonderer lichter Moment war dabei die Verkäuferin in der Bäckerei Schneider (in Mönchengladbach-Rheydt), welche fröhlich ein Lied auf den Lippen trällernd hinter der Theke stand, als ich die gute Stube betrat und sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ. Sie lächelte freundlich und tanzte sogar ein wenig umher. Nein, sie war nicht überdreht, sondern einfach nur gut gelaunt. Und das steckt an. Und darüber freue ich mich sehr.

In den letzten Wochen trage ich ziemliche Kämpfe mit mir selbst aus, wie ich meine eigene Zukunft gestalten möchte. Dabei stellt sich mir vor allem immer wieder die Frage, ob ich es mir als Rechtsanwalt eigentlich leisten kann, einige Tage in der Woche wirklich Terminvereinbarung zu halten, um meiner großen Sehnsucht, dem Reisen durch die weite Welt, nachkommen zu können. Gewissensbisse plagen einen da. Darf man sich einfach so absetzen von Familie und Büro? Was sagen die Mandanten dazu? Bleibt der Verdienst gleich oder sinkt er, wenn ich weniger im Büro bin?

Fragen über Fragen schießen durch meinen Kopf und verunsichern mich auch oft. Es ist ein wahrer innerer Kampf, den ich da austragen muss. „Muss“, das ist das richtige Wort, denn ich spüre in mir, diese Fragen klären zu wollen und mir selbst gegenüber dazu „verpflichtet“ zu sein.

Und nun, als ich hier so sitze, an der frischen Luft, arbeitend und fröhlich, merke ich wieder einmal, wie gut es mir tut, wie produktiv ich bin, meinem zweiten großen Hobby neben meiner Kanzlei, dem Schreiben, nachzukommen und das mit einer Leichtigkeit, welche ich mir eigentlich kaum erträumen konnte … bevor ich es nicht -wie heute- getan habe.

Und so stelle ich mir eine einfache Frage: „Warum eigentlich nicht?“

Warum sollte ich nicht meinen Traum wahrmachen und von unterwegs aus arbeiten? In Zeiten des Internets und der unendlichen Möglichkeiten der mobilen Arbeit ist dies jedenfalls technisch kaum eine große Herausforderung. In der Eigenorganisation und Organisation von Arbeitsabläufen muss einiges, wenn nicht gar sehr viel, umgestellt werden. Doch ob ich nun am Schreibtisch oder mit einem Laptop an einer Straßenecke, in einer Mall oder mitten im Wald sitze, ist praktisch überhaupt kein Unterschied. Ich arbeite auf dem gleichen Rechner, wie im Büro. Ich kann auf alles zugreifen, mir die Post zusenden lassen, alles natürlich über gesicherte und verschlüsselte Verbindungen. Manchmal mag es ein wenig langsamer sein, als in der direkten Büroumgebung, aber das entspannt eben auch.

Selbst Telefonate kann ich dank ohnehin von der Telekom „vorgeschriebener“ VoIP-Technologie, also dem Telefonieren über das Internet, von überall auf der Welt durchführen und der Angerufene sieht dennoch meine Büronummer und weis, mit Ausnahme der im Hintergrund vielleicht zwitschernden Vögel im Wald, gar nicht, wo ich gerade meinen Tag verbringe.

Die nicht existierende Ablenkung der vielen Menschen um mich herum, aber auch der unendliche Input gerade durch manchmal vielen Menschen um mich herum, je nach Ort des Aufenthalts, stellen für mich einen nicht mehr zu unterschätzenden Schatz an Ressourcen dar, welcher mir hilft, mich auf meine Arbeit konzentrieren zu können und dabei, wie zum Beispiel bei diesem Text, auch noch neue Ideen zu entwickeln.

Manche Dinge im Leben soll man einfach machen, einfach beginnen, nicht warten, nicht abschätzen, nicht zu lange planen … sondern einfach umsetzen.

Für mich beginnt damit auch an diesem Tag wieder die Umsetzung eines lange in mir bestehenden aber leider zu lange missachteten Traums … der mobilen Arbeit, vielleicht sogar des digitalen Nomadentums.

Dabei kann ich ganz ich selbst bleiben. Natürlich bringt dies einige Veränderung mit sich. Selbstverständlich muss ich einige lieb gewonnene Gewohnheiten durch andere ersetzen, welche mich sogar noch ein wenig ängstigen, denn Neues ist immer eine Herausforderung.

Doch in mir merke ich, wie jede einzelne Zelle sich freut, all‘ das endlich zu erleben und einem Leben eine neue und weitere Richtung und Möglichkeit zu eröffnen.

Was ist Ihr Traum?

Setzen Sie ihn um und fragen Sie sich nicht zu lange, warum Sie es nicht machen sollten, sondern gehen Sie es einfach an. Beginnen Sie in kleinen Schritten damit und machen irgendwas davon. Es muss nicht direkt perfekt und schon gar nicht sofort der riesige Durchbruch sein. Wichtig ist er erste Schritt, mag er noch so klein sein.

Und fragen Sie sich nicht, was kommen mag, sondern gewöhnen Sie sich einfach zwei Worte an, welche die Welt bedeuten:

„Ja!“ und „Jetzt!“

Viel Spaß und viel Erfolg!

2 Gedanken zu “Warum eigentlich nicht? – andachten.tv #37

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