Disziplin

Bild: Africa Studio / fotolia.de

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„Disziplin“. Das ist für viele von uns ein Wort mit zweifelhaftem Beigeschmack. Unter Disziplin verstehen wir Einschränkungen unserer persönlichen Freiheit, unseres Fortkommens oder Unterwerfung unter äußere Zwänge. Disziplin verbinden wir mit Machtstrukturen, vielleicht sogar mit dem Militär. Wir haben Bilder vor uns von Frühaufstehern, die sich morgens um vier Uhr aus dem Bett quälen, um mehr vom Tag zu haben. Disziplin bedeutet Entbehrung.

Kurz: Disziplin empfinden wir eher als ungut.

Doch Disziplin bedeutet auch, etwas neues lernen zu dürfen, etwas anderes ausprobieren zu können, unsere Grenzen auszutesten. Indem wir unsere Begrenzungen aber kennenlernen und sie sogar überschreiten, machen wir uns mutig auf zu Neuem. Wir können interessante Wege beschreiten, welche uns ansonsten für immer verschlossen geblieben wären.

Das Fantastische ist doch das: Wir als Menschen können uns selbst soweit einschränken, um in unseren Ängsten kläglich zu ersticken und niemals auch nur in die Nähe unseres selbst gesetzten Sperrgebietes, welches unsere innersten Zielen umgibt, heranzukommen und stets in unserem Leben einen nie gestillten Hunger und Sehnsucht zu verspüren auf all’ das, was wir meinen, verpasst zu haben. Oder wir können unsere selbst auferlegten Ketten sprengen, sie stolz ablegen und uns in Sphären vorwagen, welche der Großteil der Menschheit vielleicht niemals erreichen wird.

Dabei bedarf es noch nicht einmal des todesmutigen Sprungs von einer irrsinnig hohen Klippe in das darunter tosende Meer. Es benötigt auch keine uns selbst kasteiende Pilgerreise, auf welcher wir untrainiert und mit wunden Füßen jeden einzelnen Meter als von außen auferlegte Qualen meinen, tapfer ertragen zu müssen. Oft brauchen wir noch nicht einmal unendlich viel Energie dafür bereitstellen, um etwas zu erreichen.

Was wir brauchen, Sie ahnen es, ist Disziplin. Dieses Durchhaltevermögen, was uns ein wenig mehr abverlangt, als es unsere so heiß geliebte Komfortzone zulassen will. „Die Extra-Meile gehen“, beschreibt es vielleicht am besten. Ein wenig und wirklich oft nur ein wenig mehr tun, als man von uns fordert oder erwartet.

Dies fängt schon in unserem zarten Kindesalter an. Kinder, welche nicht nur die notwendigen Hausaufgaben machen, sondern eben „etwas mehr“, erreichen meist viel mehr, als es noch im Verhältnis stünde. Denn Disziplin zahlt sich in den allermeisten Fällen nicht nur einfach, sondern gleich mehrfach aus. Menschen nehmen uns wahr, weil wir aus der großen bequemen Menge, welche sich hinter den festgelegten Anforderungen zu verstecken sucht, herausstehen.

Disziplin bedeutet, nicht nur die Erwartungen zu erfüllen, sondern sie zu übertreffen. Sie bedeutet die Freude daran, weiter zu machen, wenn andere aufgeben. Sie bedeutet, nicht locker zu lassen, wenn es noch so unmöglich scheint.

Im Lebensweg unserer Menschheit gibt es genügend Beispiele, welche bei einfachem Durchhaltevermögen, wenn gesagt wurde, es sei unmöglich, plötzlich den Durchbruch bescherten und zu ungeahntem Reichtum führten. Dabei ist nicht nur finanzieller Reichtum, sondern auch geistiger und seelischer Reichtum, welcher meist den finanziellen Teil bei Weitem übertrifft, gemeint. Es sei beispielsweise nur an die berühmte Rede von Winston Churchill erinnert, welche einfach nur darin bestand, dass er vor der wartenden und an seinen Lippen hängenden Menge die Worte sprach: „Geben Sie niemals, niemals, niemals auf!“

Millionenfach bewahrheitet sich diese ebenso einfache wie wirkungsvolle Wahrheit jeden Tag bei so vielen Menschen, welche es einfach wagen, welche trotz entgegenstehender innerer Gefühlswelt, entgegen dem inneren Schweinehund etwas tun, was sie anfänglich mit wahnsinniger Angst erfüllt hatte.

Wie gesagt, es sind manchmal die kleinsten Schritte. Wenn ich zur Arbeit gehe, obwohl ich mich unwohl fühle, gar krank bin und lieber liegen blieben möchte. Wenn ich während meiner Arbeitszeit konsequent meine mir zugewiesenen Dinge erledige und dabei überlege, wie es noch besser laufen könnte und dies äußere. Wenn ich Zusagen einhalte und fair gegenüber Kollegen und sogar dem Arbeitgeber bin. Wenn ich mir nicht nur vornehme, etwas zu tun, sondern die Initiative ergreife und tatsächlich den ersten Schritt gehe.

Er fällt unendlich schwer, dieser erste Schritt. Gerne planen wir ihn, ohne jedoch irgendetwas in der Welt da draußen tatsächlich zu bewegen. Wir beschäftigen uns mit dem „man sollte“, „ich werde“ und „ich will“ so lange, bis wir irgendeine mehr oder minder zutreffende Ausrede finden, welche uns einen gepflegten Abgang ermöglicht und uns mal wieder diese vom inneren Teufelchen herbeigesehnte Tür öffnet, es „nur noch einmal“ nicht tun zu müssen. Das kennen wir doch alle. „Nur noch fünf Minuten…“

Und umso belohnender ist es, wenn wir diesen ersten Schritt dann doch gehen. Er ist unendlich befriedigend. Wir haben es getan. Es funktioniert und … siehe da … wir sind dabei nicht gestorben, es fällt noch nicht einmal wirklich so schwer, wenn wir ihn einfach nur machen.

So ist Disziplin nichts, was uns einschränkt, uns gängelt, uns bricht. Im Gegenteil, Disziplin erweitert uns, macht uns stärker und fröhlicher, führt uns zu neuen Welten in uns selbst und auf dieser Erde. Wir erreichen Ziele, an denen wir zu scheitern drohten. Und machen wir weiter, kommen wir nicht erschöpft an, sondern haben so viel mehr Kraft in uns, weil es sich aus sich selbst heraus belohnt.

So fangen Sie einfach an. Jetzt! Nehmen Sie irgendetwas, es muss nichts Besonderes sein. Einfach tun, einfach machen. Und ganz wichtig: „Tun Sie es jetzt und geben Sie niemals auf!“


Text: Thorsten Haßiepen
Bild: Africa Studio / fotolia.de

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