Alle drehen durch … eine Andacht zum Jahreswechsel

Bild: Style-Photography / fotolia.de

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Wir schreiben den letzten Tag des Jahres. Sylvester. Heute Abend wird gefeiert, das alte Jahr verabschiedet und das neue Jahr begrüßt. Die bösen Geister werden mit Böllern und Raketen weggejagt, so kann es nun kommen, das neue Jahr.

Es ist kalt an diesem Morgen. Minusgrade. Ein weißer Schleier hat sich über das gesamte Land gelegt. Alles erscheint gefroren. Straßen, Dächer, Zweige, Autos … alles ist bedeckt. Und selbst die Luft hat etwas Eisiges in sich. Jeder Atemzug lässt die Lungen gefrieren. Und doch ist es schön. Es strahlt eine Frische aus, die Luft ist zwar eiskalt, aber dafür wunderbar klar. Sie zu atmen ist herrlich.

Die Menschen stehen spät auf. Viele müssen heute nicht arbeiten. Büros, Praxen, Kanzleien haben geschlossen. Auch der Handel hat in der großen Mehrheit nur den halben Tag geöffnet. Nur die großen nimmersatten Handelsketten haben teilweise bis abends ihre Pforten offen, damit auch der Vergesslichste noch etwas zu essen bekommt an einem solchen Feiertag. Abends gehen viele Menschen in Restaurant oder Kneipen. Dort feiern sie allein oder mit Freunden in das neue Jahr hinein, genießen das für sie organisierte Feuerwerk und lassen es sich gut gehen.

In den Zeitungen und anderen Medien wird das vergangene Jahr noch einmal durchdacht. Es wird Rückschau gehalten auf die guten wie auch die schlechten Ereignisse der letzten zwölf Monate. Das Fernsehen wird heute Abend wieder „Dinner for one“ zeigen, jenes kurzweilige Theaterstück, in welchem der Butler seiner Miss Sophie ein herrliches Abendmahl serviert und durch zahlreiche alkoholische Getränke mehr und mehr mit sich selbst und dem Teppich mit großem Tierkopf auf dem Boden zu kämpfen hat. Die sogenannten sozialen Medien quellen schon jetzt über von guten Wünschen, mehr oder weniger lustigen Bildchen und kurzen Videos, mit denen sich alle über das vergangene Jahr auslassen und gegenseitig witzigen Mut zuzusprechen versuchen.

Doch auch etwas anderes geschieht an diesem Ausklang des Jahres. Die Menschen drehen durch. Es schleicht sich in den Alltag eine Torschlusspanik ein. Die letzten Einkäufe müssen gemacht werden. Immerhin stehen Feiertage vor der Tür und manchmal hat man den Eindruck, sobald es nicht die Möglichkeit gibt, jeden Tag einzukaufen, werden die Menschen in unserem vor Überfluss nur so strotzenden Land plötzlich und unverhofft verhungern. Anders ist dieser fast wahnsinnige Ansturm auf Lebensmittelläden kaum zu erklären, der sich immer wieder vor Feiertagen abspielt und vor allem vor Ostern, Weihnachten, aber eben auch vor dem Jahreswechsel geschieht.

Selbst die Herzen der Menschen sind an diesem Tag irgendwie verschlossener als sonst. Sie scheinen sich darauf konzentrieren zu wollen, wie nun der unendliche Kreislauf des Lebens einen neuen Anfang findet … und natürlich auch ein Ende des vergangenen Jahres. Jenes ist nämlich vorbei, wird nicht wiederkehren, geht nun aus unserem Leben in unsere Erinnerung über. Das verängstigt, macht deutlich, wie auch wir selbst vergänglich sind, wie endlich alles auf dieser Welt ist.

Und dennoch lehrt es uns jedes Jahr, mit jedem neuen Kreislauf wieder, den heutigen Tag zu genießen, im „Jetzt“ zu leben. Deswegen ist das Vergangene nicht schlechter und das Morgen nicht unnötiger. Es ist einfach nur der Zeitpunkt, in welchem wir tatsächlich leben und erleben.

„Probier’s mal mit Gemütlichkeit“, singt Balu der Bär in dem weltbekannten Dschungelbuch, welches von Walt Disney so wunderschön in einen Trickfilm, den wohl jedes Kind kennt, umgesetzt wurde. Und die meisten Menschen hören Balu auch schon singen, zitiert man nur diese wenigen Worte aus dem Lied.

Also … keine Panik. Lassen wir das Jahr ausklingen, nehmen es in unserem Herzen mit in die neue Zeit und freuen wir uns auf alles, was da auf uns zukommt. Es ist aus sich selbst heraus immer gut und wunderbar.


Text: Thorsten Haßiepen
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