4. Advent 2016 – Eine Minute Geborgenheit

Bild: Smileus / fotolia.de

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„Füße hoch“ am 4. Advent

So ein Sofa ist schon bequem. Vor allem dann, wenn man sich sonntags ganz gemütlich darauf ausstrecken kann. Die müden Füße nach getaner Arbeit hochzulegen, ist ein Traum und wohliges Gefühl.

Glücklich bin ich, denn meine liebe Ehefrau versäumt es nie, mich zu hegen und zu pflegen und mir einen warmen Kaffee oder heißen Tee an mein Lager zu bringen. Natürlich hilft mir dies noch mehr, mich zu entspannen und diesen Wochenendtag als den schönsten Tag der ganzen Woche zu genießen.

Der Duft dieses gerade unter meiner etwas verschnupften Nase stehenden Kaffees ist wunderbar. Dieses herrliche Aroma belebt die Sinne und wärmt das Herz von innen heraus.

Es ist der vierte Advent und so leuchtet im ganzen Haus ein gedämmtes Licht. Die langen sich an den Fenstern entlang schlängelnden Lichterketten verströmen dieses gelbe Licht, welches sofort und unausweichlich Weihnachtsstimmung im ganzen Raum verbreitet.

In der letzten Woche hatte ich eine kleine Erkältung. Da ich kein Mensch bin, der sich bei einer solchen Erkrankung zurückzieht, haben meine kleinen Erkrankungen immer ihre Eigenart, sich vor allem dann massiv nach vorne zu drängen, wenn ich einmal nicht in mein Büro gehe, sondern einfach nur den Tag genießen möchte.

So ist es auch heute.

Abwechselnd leide ich unter einer verstopften Nase, kurzen Fieberschüben, totaler Müdigkeit und den berühmten und berüchtigten Kopf- und Gliederschmerzen. Jede Bewegung schmerzt. Doch das möchte ich mir nicht anmerken lassen.

Also beginne ich, mir vorzustellen, wie tausend kleine Feuerwehrmännchen in meinem Körper beginnen, sich zu den überall verteilten Brandherden der Erkrankung vorzukämpfen, um dann kriegsgleich die bösen Viren und Bakterien gefangen zu nehmen. Sie verfrachten sie in ihren mit lauten Sirenen durch die Blutbahnen rasenden Fahrzeugen zu der großen körpereigenen Entsorgungsstelle. Mitleid kennen sie dabei nicht. Es gilt, das große und Ganze zu bewahren und vor diesen ärgerlichen Eindringlingen zu beschützen.

Eine tolle Arbeit vollbringen sie und ich spüren von Minute zu Minute, wie es mir besser zu gehen scheint.

Gestärkt mit jedem Schluck getrunkenem Kaffee rücken die unerschöpfbaren kleinen Helferlei stets von Neuem aus, um sich durch das Dickicht der Organe bis in die kleinsten Winkel vorzukämpfen. Geleitet werden sie von der großen Zentrale des Unterbewusstseins, welches ebenso unermüdlich Kontrollbefehle durch die Nervenbahnen feuert, immer darauf bedacht, den Körper als solchen in seiner Einheit zusammenzuhalten und nirgendwo neue Angriffsflächen zu bieten.

Die gesamte Energie wird vom Verteilungszentrum Herz abgezogen, um sie in der wirksamen Bekämpfung dieser frechen und unzähligen Fremdkörperchen nutzen zu können. Es ist ein Meisterwerk des Zusammenspiels aller dieser Strukturen, Befehlszentren und Einsatzzentralen. Sie arbeiten unermüdlich, setzen ihr Leben auf’s Spiel und melden sich nach getaner Arbeit sofort wieder neu, für den nächsten waghalsigen Einsatz.

Ich selbst habe längst meine Äuglein geschlossen und befinde mich in einer Welt des ruhigen Schlafs, geborgen von mutigen Mächten, die sich um mich kümmern.

Als ich nach einiger Zeit aufwache, bin ich dennoch erschöpft. Doch ebenso bin ich glücklich, denn ich fühle mich unendlich geborgen.

Kann ich eigentlich etwas dazu tun und meine körpereigene Feuerwehr belohnen oder unterstützen.

Wie in einem Funkspruch scheine ich die Antwort zu hören, die sich durch die Schleier der Wahrnehmung vorkämpft und mich in einer beruhigenden Stimme wissen lässt, dass alles in Ordnung ist. Sie bedankt sich für die Anerkennung. Dies sei nicht alltäglich und viele Menschen meinten, es sei wohl das Mindeste, was man von seinem Körper erwarten dürfe, flüstert sie mir behutsam zu.

„Weisst Du“, fährt sie zärtlich fort. „Es reicht uns schon aus, dass Du uns die Wege erleichterst, weil Du Deine Füße hochgelegt hast. Ruh’ Dich aus. Wir sind bei Dir. Schlafe ein wenig. Wir danken Dir für Deine Rücksichtnahme.“

Wer hätte gedacht, dass es so einfach ist, Gutes für sich selbst zu tun.


Text: Thorsten Haßiepen
Bild: Smileus / fotolia.de

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