3. Advent 2016 – Eine Minute Zweisamkeit

Bild: Smileus / fotolia.de

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Ist es nicht ein Widerspruch, wie merkwürdig wir uns verhalten, je mehr wir einen anderen Menschen mögen?

Einer der häufigsten Gründe, die Menschen angeben, warum eine Beziehung scheiterte, ist die Tatsache, man habe sich auseinandergelebt. Fragt man dann ein wenig näher nach, so kommen in diesem „Auseinanderleben“ Verhaltensweisen zum Vorschein, die eher daran erinnern, dass zwei Fremde miteinander umgegangen sind, als ein Liebespaar.

„Wir hatten uns nichts mehr zu sagen“ oder „Wir haben uns gar nicht mehr umeinander gekümmert“, „Uns fehlte die Zeit füreinander“ usw. lauten dann die Antworten.

Das Ergebnis ist jedes einzelne mal verheerend. Die Menschen leben nebeneinander statt miteinander.

Sie gehen, meist sogar in guten Absichten, ihren eigenen Arbeiten, Interessen und Notwendigkeiten nach. Der oder die andere rückt zwar immer wieder einmal in den Focus des Geschehens, stört aber eigentlich im Tagesablauf mehr, als dass er oder sie einen glücklich macht.

Natürlich kann dies viele Ursachen haben und ich schere nun auch nicht jede Beziehung über einen Kamm. Doch meist ist es unser eigenes Verhalten, welches die Chancen einer Genesung der Beziehung vorbeiziehen lässt, wie weiße Wolken im Wind.

Unsere Rechtfertigung lässt sich dabei sehr und zu oft in nur einem einzigen Wort zusammenfassen: „Morgen“.

Wir schieben alles auf den nächsten Tag, wo man sich „dann endlich Zeit nehmen will“ und damit gleichzeitig zugibt, das Problem erkannt zu haben. Wir wissen, was wir machen müssen. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass wir es auch tun.

Irgendwann ist es dann zu spät. Dann stehen wir vor den Scherben, die von unserer Beziehung übrig geblieben sind und fragen uns: „Warum?“

Die Lösung ist so einfach wie anstrengend zugleich.

Wir dürfen diese Beziehung nicht für gegeben, für garantiert oder für unzerbrechlich halten. Sie muss gepflegt werden. Und die Pflege ist meist zu einfach, als sie erkennen zu können. Auch sie lässt sich in einem einzigen Wort zusammenfassen: „Zeit“.

Zeit, zu reden. Zeit, sich in den Arm zu nehmen. Zeit, Zeit miteinander zu verbringen. Zeit, gemeinsam zu essen. Zeit, zuzuhören. Zeit, zu helfen. Zeit, zu loben. Zeit, zu flirten. Zeit, zu kuscheln. Zeit, zu lieben. Zeit füreinander. Zeit miteinander.

Das Schönste daran ist, trotz unserer vielen Ausreden ist diese Zeit immer da. Wir müssen sie uns nur nehmen. Und das ist oft der anstrengende Teil.

Doch wenn wir uns einfach sagen: „Nur eine Minute“, stellen wir erstaunt fest, wie lang diese Minute sein kann, wie intensiv, wie erfüllend. Und sie raubt uns nicht die Zeit, andere Dinge zu tun.

Diese eine Minute ist immer da und es gibt Gelegenheiten noch und nöcher. Nehmen Sie sich vor allem dann die Zeit, wenn der oder die andere zu stören scheint. Lächeln Sie. Nehmen Sie einander in den Arm und sagen vielleicht einfach nur „Hallo“.

Es sind die kleinen und kleinsten Gesten, welche das Puzzle der Liebe zusammenhalten und vervollständigen. Es sind nicht die großen Erlebnisse, welche man nach langer Planung und mit viel Geld oder möglichst „öffentlichkeitswirksam“ durchführt. Es ist eine kleine und sanfte Berührung. Es ist ein kleines Wort der Liebe, der Freundlichkeit, der Höflichkeit. Ein kleiner Kuss hier, ein Streicheln dort, ein flirtender Satz ins Ohr geflüstert an anderer Stelle, ein Lob und eine Anerkennung für kleine Dinge, auf die der andere stolz ist.

Und eigentlich ist es dann alles gar nicht so anstrengend. Vielleicht muss es nach langer Zeit wieder einmal geübt werden, weil man eingerostet erscheint. Doch oft reicht dann einfach nur ein Gedanke daran zurück, wie es am Anfang einmal war. Zu dieser Zeit konnten wir das alles nämlich.

Fassen wir uns ein Herz, legen einmal kurz unsere Arbeit aus der Hand, gehen zu unserer Partnerin oder unserem Partner hin, sagen „Hallo“ und nehmen ihn oder sie einfach nur kurz, ganz kurz in den Arm. Erwarten wir dabei keine Belohnung, denn unser Handeln ist Belohnung an sich. Seien wir auch nicht ungeduldig, weil nicht sofort eine Reaktion kommt, welche wir uns ausgemalt haben, sondern nur ein erstaunter Blick oder sogar ein verlegenes Ablehnen. Seien wir nicht aufdringlich, sondern dankbar, dass es den oder die andere gibt.

Eine Minute Zweisamkeit und wer weiß … es ändert sich schnell wieder alles zum Guten, bleibt liebevoll und gibt uns das Schönste, was wir im Leben haben können … die Liebe.


Text: Thorsten Haßiepen
Bild: Smileus / fotolia.de

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