2. Advent 2016 – Eine Minute Unterschied

Bild: Smileus / fotolia.de

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Es ist der zweite Advent. Die zweite Kerze brennt.

Langsam werden die Menschen hektischer, fallen in den alljährlichen Weihnachtsstress, hetzen von einem Einkauf zum anderen, sprechen die immer enger werdenden Termine ab und fragen sich, wie alle anstehenden Vorbereitungen überhaupt noch erledigt werden können.

Die Zeit scheint von Tag zu Tag schneller zu laufen, wir können kaum noch verschnaufen.

Wie in einem Comic-Film dreht irgendjemand an der Uhr und jeden Abend fragen wir uns, wo denn dieser Tag nun wieder geblieben ist.

Und … wie jedes Jahr … versprechen wir es uns selbst hoch und heilig, im nächsten Jahr doch früher mit den Vorbereitungen für Weihnachten anzufangen, damit wir die Zeit endlich einmal in Ruhe genießen können. Ob das wohl funktioniert …

Das Schlimmste in diesen Tagen ist aber unsere innere Unruhe. Wir fühlen uns getrieben, sind nicht mehr Herr über unsere eigene Zeiteinteilung, finden keine Zeit mehr für uns selbst.

An so vielen Tagen wünschen wir uns, einfach einmal eine kurze Minute ausspannen zu können. Aber wir tun es nicht. Zu viele Gedanken gehen uns durch den Kopf. Zu viel Möglichkeiten, was alles noch erledigt werden soll, treiben uns, weiter zu gehen, nicht innezuhalten.

Seit über fünf Jahren finden nun die von mir gestalteten Adventsandachten statt. Es sind kurze, halbstündige Andachten, welche ich gemeinsam mit einem hervorragenden Musiker gestalte. Meist erzähle ich eine Geschichte, lese aus meinen Büchern vor oder lasse einfach nur die Gedanken der Anwesenden ein wenig zur Ruhe kommen. Die Adventsandachten sind mit gedämmten Licht, Kerzenschein und abwechselnder Musik begleitet. Sie dienen einfach nur dazu, einmal kurz in der Hektik dieser Zeit zur Ruhe zu kommen.

Wenn ich mit Menschen darüber rede, entgegnen mir immer viele Leute, dass sie keine Zeit hätten, so auszuspannen. Nicht einmal eine Minute Zeit fänden sie, um sich um sich selbst zu kümmern.

Meist frage ich dann etwas provozierend, wie ihnen denn der letzte „Tatort“ gefallen habe und erstaunlicherweise haben sie ihn doch tatsächlich in Ruhe sehen können.

Keine Zeit zu finden, ist praktisch immer keine Frage, ob diese Zeit wirklich vorhanden ist, sondern ob ich sie mir wirklich nehmen will.

Will ich mir diese eine Minute für mich, für meine Ziele, für meine Dinge nehmen? Oder will ich lieber diese eine Minute mit etwas verbringen, was mich nicht fordert, was mich ablenkt und so über mich bestimmen lassen?

Die Entscheidung liegt bei uns selbst. Es gibt kein richtig und kein falsch.

Doch bevor ich entscheide, sollte ich mich fragen, ob mich diese eine Minute näher zu meinen Zielen, meinen Träumen, meinen geheimen Plänen, den Dingen, die mich antreiben bringt oder einfach nur Zeit verstreichen lässt.

Denn dann macht diese eine Minute so viel Unterschied.

Sie bestimmt darüber, ob ich mich treiben lasse oder bestimme, wohin ich gehe. Ob ich einfach Zeit verbringe oder Zeit nutze. Ob ich Zeit totschlage oder Zeit genieße.

Wenn wir also in den nächsten Tagen wieder einmal zu der Erkenntnis kommen, dass uns die Zeit durch die Hände rinnt, warum schließen wir dann nicht einfach unsere Finger und fangen die Zeit auf, wie das Wasser, welches wir über unser Gesicht streichen, um uns zu erfrischen.

Jede Minute unseres Lebens zählt. Genieße sie, nutze sie! Jede Minute macht tatsächlich einen Unterschied!


Text: Thorsten Haßiepen
Bild: Smileus / fotolia.de

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