1. Advent 2016 – Eine Minute innehalten …

Bild: Smileus / fotolia.de

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„Eine Minute!“

Nun ist es wieder soweit.

Advent 2016

Die Tage sind schon seit einigen Monaten wieder kürzer geworden und spätestens seitdem die Uhr zurückgestellt wurde, beginnt die Nacht schon sehr sehr früh.

Dunkel werden die Straßen, Wege, Plätze. Ohne Laternen oder die Scheinwerfer der fahrenden Autos könnten wir uns nur noch mit einer Taschenlampe orientieren. Finster scheint die Welt zu werden.

Und doch ist die Welt auch erfüllt von diesem Gedanken an Weihnachten. Klar … wir können uns nun wieder darüber auslassen, dass diese Weihnachtszeit jedes Jahr früher beginnt und wir teilweise schon in den Herbstferien die ersten Spekulatius kaufen können.

Aber so still und heimlich freuen wir uns spätestens am ersten Advent auf die Tage und Stunden, die da kommen.

Irgendwie wird jetzt alles gemütlicher, stiller, trotz der kalten Tage werden die Herzen wärmer, wir scheinen schneller zu verzeihen und alle Welt spricht von den weihnachtlichen Gedanken und Gefühlen, die so manche Dinge rechtfertigen sollen und können.

Ob wir uns nun an den ursprünglichen Grund von vor ca. 2000 Jahren erinnern oder nicht, mag dabei dahingestellt bleiben. Für viele von uns ist es einfach nur eine schöne Zeit.

Bei uns in dem kleinen Örtchen ist es zum Beispiel so, dass nun eine Eisbahn geöffnet hat. Auch der Adventsmarkt in der Innenstadt öffnet seine Tore. Menschen treffen und begegnen sich, schauen sich an, nehmen sich wahr, versammeln sich.

Das ist das schöne an der Advents- und Weihnachtszeit. Irgendwie rücken wir näher zusammen.

Nicht jedem gelingt das. So mancher wehrt sich auch dagegen und Schicksalsschläge in dieser Zeit wiegen natürlich umso mehr. Das stimmt uns traurig. Das stimmt uns melancholisch. Wir möchten anderen Menschen helfen und wissen doch so oft nicht, wie wir das dann anstellen sollen.

„Eigentlich“, so sagt uns unser Verstand, „ist es doch eine Zeit wie jede andere auch.“

Doch unser Herz widerspricht. Es lässt uns dieses Gefühl spüren, wie wir einander näher rücken und die Gräben zwischen uns irgendwie kleiner zu werden scheinen.

Vielleicht liegt es an den Temperaturen, an den vielen Lichterketten, die nun gespannt werden und uns in der kalten, dunklen Zeit Helligkeit schenken. Vielleicht liegt es an uns selbst und wir spüren einfach die Kälte, die Wärme und den Unterschied. Vielleicht sind es die Gedanken an das Ende des Jahres und die Hoffnung, um nächsten Jahr werde alles besser, wir können von neuem anfangen.

Was immer es sein mag … irgendwas passiert.

Genießen wir es doch einfach.

Halten wir vielleicht einfach nur einen kurzen Moment inne, vielleicht nur eine Minute und vergeben unseren Freunden und Feinden für die Sachen, welche sie uns angetan haben mögen.

Nur eine Minute!

Schaffen wir das?

Es scheint so schwer und manchmal ist es das auch. Doch auch hier zählt schon der Gedanke, denn er könnte das Korn sein, welches später wieder zu einem guten Gedanken aufgeht, dort wo wir es gar nicht mehr zu hoffen wagten.

Machen wir uns nichts vor. Oft wollen wir auch gar nicht mehr vergeben. Manche Dinge haben uns so tief gekränkt und das von Menschen, von denen wir es niemals gedacht hätten. Von Menschen in der Familie, guten Freunden, Arbeitskollegen. Wir wollen uns diese Minute nicht geben.

Darum ist es ja so schwer.

Doch vielleicht fangen wir auch nur mit ein paar Sekunden an. Nehmen uns vor, jeden Tag dieser ersten Adventswoche ein paar Sekunden gute Gedanken über diese Menschen zu denken, jeden Tag ein paar Sekunden mehr. Und am Ende der Woche kommen wir vielleicht bei der besagten Minute an.

Wer weiß, was dann passieren mag …


Text: Thorsten Haßiepen
Bild: Smileus / fotolia.de

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