Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennt

Bild: pathdoc @ fotolia.de

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Jeden Tag begegnen wir sehr vielen Menschen, die wir nicht kennen. Sie begegnen uns im Restaurant, auf der Straße, an der Tankstelle, im Geschäft und an vielen weiteren Orten. Jeder Tag ist ein Begegnungstag.

Meist nehmen wir keine besondere Notiz von diesen Menschen. Meist huschen sie an uns vorbei und wir an ihnen. Ab und zu, ganz selten, lasst uns etwas ausschauen und die andere Person wahrnehmen.

Meist sind es dann besondere Kleidung, ein bestimmtes auffallendes Benehmen oder irgendwas, dass nicht alltäglich ist. Der „ganz normale“ Mensch aber berührt unseren Lebensweg kaum.

Dabei gibt es sehr viele Menschen, die alleine sind. Doch wie kann das sein.

Es gibt ungefähr sieben Milliarden Menschen auf dieser Welt. Wie können wir da alleine sein? Liegt es denn wirklich an der Anzahl von Menschen, denen wir begegnen?

Wohl kaum. Doch woran liegt es dann?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einfach nur beobachten, wie Menschen sich begegnen, wie sie miteinander umgehen.

Es gibt sie immer wieder, diese Strahlemännchen, die Menschen, welche sofort mit anderen in Kontakt kommen, welche immer etwas zu erzählen haben, die Mittelpunkt jeder Gesellschaft sind.

Was haben sie, was wir nicht haben?

Die Antwort ist klar und einfach: „Nichts!“

Sie haben nichts, was wir nicht auch haben. Sie gehen nur anders an die Begegnungen heran.

Viele Menschen scheuen den Kontakt zu ihnen unbekannten Menschen. Sie zweifeln, ob sie etwas zu erzählen haben. Sie zweifeln, ob sie ein guter Gesprächspartner sind. Sie zweifeln, ob sie es wert sind, dass man sie bemerkt.

Doch wie sollen andere Menschen diese Personen bemerken, wenn sie sich eigentlich wünschen, nicht bemerkt zu werden? Wie sollen sie mit ihnen ein Gespräch führen, wenn sie eigentlich wünschen, kein Gespräch führen zu müssen?

Der Unterschied zwischen geselligen und einsameren Menschen ist das eigene Denken.

Gesellige Menschen gehen gerne auf andere zu, grüßen diese von sich heraus und freuen sich über neue Kontakte. Einsamere Menschen scheuen genau das. Sie fürchten sich gar vor anderen Menschen.

Der Schlüssel zu einem Leben mit anderen Menschen liegt in uns selbst.

Einen wunderbaren Satz dazu habe ich vor etlichen Jahren gehört und er enthält so viel Gutes:

„Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennt.“

Nicht nur besagt der Satz, dass Fremde auch Freunde sind. Er sagt auch, man kenne diese einfach noch nicht.

Wenn wir mit offenen Gedanken, mit Freude, mit einer guten Portion Neugier, mit einem Lächeln auf den Lippen auf andere uns noch unbekannte Menschen zu gehen, haben wir schon mehr als die Hälfte der Strecke hinter uns. Dann ist es nur noch ein kurzes „Hallo“ oder „Guten Tag“ bis wir unser Gegenüber in Kontakt mit uns haben treten lassen.

Probieren Sie es doch einfach einmal aus. Wenn Sie heute oder morgen auf der Straße fremden Menschen begegnen, lächeln Sie diese an und sagen Sie „Guten Tag“ oder „Hallo“. Fragen Sie einen Menschen, der vor Ihnen an der Supermarktkasse steht, einfach nach der Uhrzeit und geben ihm ein „Dankeschön“ oder ein Kompliment. Es muss nicht riesig sein, nur ganz klein.

Je mehr Sie diese Übung machen, umso sicherer werden Sie darin, andere Menschen anzusprechen.

Auch am Telefon wirkt es Wunder, wenn wir den Anrufer mit einem Lächeln begrüßen. Das Lächeln kann man sogar durch das Telefon hören.

Begegnen Sie neuen Freunden mit absoluter Offenheit in der Gewissheit, dass jeder Mensch auf dieser Welt Ihnen etwas Neues zeigen kann. Sei es eine neue Erkenntnis, eine neue Geschichte, eine neue Freundschaft oder einfach nur eine klitzekleine Unterhaltung, die unser beider Leben schöner macht.

Wir Menschen sehnen uns nach Anerkennung. Wir sehnen uns danach, bemerkt zu werden. Wir wollen so wie wir sind, akzeptiert werden. Was ist da besser, als während einer vielleicht auch noch so flüchtigen Begegnung im Alltag eine solche Anerkennung auszusprechen. Meinen Sie diese ehrlich.

Diese Einstellung noch fremden Menschen gegenüber kann Wunder wirken. Und sie ist so einfach, in uns aufzunehmen. Jeden Tag, zu jeder Zeit, ein bisschen.

Das ist alles, was wir brauchen, um neue Freunde kennen zu lernen.


Text: Thorsten Haßiepen

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