„Herbst“ oder „genieße das Leben“

Bild: Smileus / fotolia.de

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Nun ist er da. Der Herbst. Seit ein paar Tagen ist er kalendarisch die Jahreszeit, welche nunmehr gültig ist.

Geht man in diesen Tagen draußen spazieren, gerade wo es nun noch einmal so richtig schön warm geworden ist, befällt einen manchmal eine seltsame Stimmung. Es ist, als warte man darauf, dass nun doch auch bitte die Blätter von den Bäumen fallen und die Wege zudecken mögen. Auch solle es nun kühler werden.

Allein die Sonne scheint sich an den Kalender zu halten und steht immer niedriger am Horizont. Jetzt fangen wieder die Tage an, in denen wir als Autofahrer morgens und abends so sehr geblendet werden.

Heute saß ich auf unserem Balkon und las etwas. Dabei spürte ich, wie eben jene Sonne aber doch noch einiges an Kraft versprühte und mir liebevoll das Gesicht erwärmte. Ja, es wurde sogar richtig warm, sogar ein wenig zu warm. Doch in den Schatten setzen musste ich mich nicht. Ich genoss die Strahlen und schloss meine Augen. Mein Gesicht drehte ich zu unserem Himmelsstern wie ein verliebter Junge es tut, wenn er seine Flamme entdeckt. Ich lächelte und streckte ihr meinen Kopf entgegen, dass sie mich wärmte, vielleicht sogar ein wenig bräunte.

Irgendwie war ich plötzlich einfach nur noch dort. Meine Gedanken verschwammen, obwohl ich gerade noch zuvor ziemlich anstrengende Fachliteratur gelesen hatte. Jetzt war alles irgendwie ruhig … und warm, angenehm und still.

In diesem Sonnenspiel blieb ich in meinem Stuhl sitzen und genoss einfach nur den Tag.

„Das sollte ich wieder viel öfters tun“, ging mir ein kleiner und vorsichtiger Gedanke durch den Kopf. Hatte ich nicht die letzten Wochen mich wieder zu sehr nur in die Arbeit gestürzt?

Über den Sommer habe ich mir viel Zeit für mich selbst genommen, abgeschaltet, nachgedacht, Pläne geschmiedet und einfach nur mit den Kindern im Wasser herumgetollt.

Als das Schwimmbad wieder schloss, war diese Zeit vorbei. Auch die Schulferien hatten ein Ende gefunden. Der normale Alltagstrott nahm uns alle wieder ein.

Doch einmal kurz, so wie jetzt, sich zurücklehnen und die Zeit, die uns gegeben ist, nur genießen. Nichts erzwingen. Alles geschehen lassen.

Als ich meine Augen wieder öffnete, hatte ich keine Ahnung, wieviel Zeit denn nun vergangen war. Waren es fünf Minuten, war es eine halbe Stunde oder gar mehr gewesen, welche ich mich von unserer Sonne verwöhnen ließ?

Vielleicht spielt es auch gar keine große Rolle, wie lange es war. Für mich war es wie ein kleiner Urlaub. Ein Urlaub in meinem Herzen.

„Herbst“, das sind wärmende Sonnenstrahlen in immer kühler, gar kälter werdendem Wetter. Es ist das Laub, das von den Bäumen sich mit letzter Kraft abstößt, um in langsam sich wiegenden Bewegungen zur Erde zu fallen. Das sind lange Spaziergänge mit Familie und Freunden durch die nun raschelnden Wege im Wald. Es ist eine Zeit der Besinnung, des innerlichen Aufräumens, der Wahrnehmung unserer aller Endlichkeit.

So beschließe ich nun, auch diesen Tag, wie jeden kommenden Tag, ein wenig mehr zu genießen, als den Tag zuvor. Jeden Tag nehme ich mir Zeit für mich. Ganz allein und nur für mich. Ein wenig auftanken. Ein wenig zur Ruhe kommen. Ein wenig glücklich sein.

Das ist es, was unser Leben so lebenswert macht.

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