Einer? Hunderte!

Einer? Hunderte!

 

»Einer? Hunderte!«, schrie der Geisterfahrer, als er die Meldung über einen solchen im Radio hörte.

Dieser alte Witz, welcher uns vor Augen führt, wie verblendet wir manchmal sein können, wenn wir die Welt nur aus unserer eigenen Sicht betrachten, führt uns vor Augen, wie schnell wir in die Situation kommen können, eigene Fehler gar nicht mehr zu beachten.

Gleich dem Geisterfahrer, welcher sich gar nicht bewusst ist, dass er selbst derjenige ist, welcher auf der falschen Spur fährt, gehen wir oft durchs Leben.

Werden wir auf etwas aufmerksam gemacht, was vermeintlich schiefgelaufen sein soll, suchen wir zuerst die Schuld bei dem anderen. Schnell sind wir dabei, mit unserem Finger auf den anderen Menschen zu zeigen. Meist ist es derjenige, welcher uns die Nachricht überbracht hat.

Dann ist es sogar so, dass wir nicht nur es dem Geisterfahrer gleichtun, sondern auch noch die alten Riten aus dem Altertum vollziehen, nach welchen der Überbringer schlechter Nachrichten geköpft wird, nur weil er die Nachricht überbracht hat.

Genau wie damals ist es aber auch heute so, dass die schlechte Nachricht als solche nicht dadurch ausgelöscht wird, dass der Überbringer geköpft oder heute die Schuld zugewiesen bekommt. Die schlechte Nachricht steht für sich selbst.

Schaffen wir es dann, auch einmal in den Spiegel zu schauen, müssen wir oft feststellen, wie sehr bzw. wie groß unser eigener Anteil an dieser Situation ist.

Genau das wollen wir aber natürlich, so sind wir Menschen nun einmal beschaffen, um jeden Preis vermeiden.

Also haben wir uns seit Jahrtausenden daran gewöhnt, zuerst einmal die Schuld bei dem anderen zu suchen. Finden wir sie dort nicht, können wir wenigstens auf den anderen zeigen und die Fehler an ihm oder ihr so vergrößern, dass unsere eigenen dagegen möglichst klein wirken.

Es ist schon fast eine erstaunliche Fähigkeit, welche wir Menschen hierin entwickelt haben.

Dabei vergessen wir natürlich, dass auch noch ein drittes, altes und uns sehr wohl eigentlich bekanntes Sprichwort greift. Dieses Sprichwort besagt, dass wenn ein Finger auf den anderen zeigt, mindestens drei andere Finger unserer gleichen Hand auf uns selbst zeigen.

Wenn wir also bei anderen Menschen die Schuld oder einen Fehler suchen oder entdecken, hält uns dieser Mensch sehr oft einfach nur einen Spiegel vor.

Frei nach den Gedanken, nachdem sich »gleich und gleich« gerne gesellt, sind wir bei allem in der Lage, etwas aus unserem eigenen Empfinden, Leben oder aus unserem Erfahrungsschatz auch bei unserem Gegenüber zu erkennen.

So ist es auch bei Fehlern oder Schuldzuweisungen.

Dies wollen wir natürlich in der einzelnen Situation nicht wahrhaben. Zu sehr sind wir damit beschäftigt, von uns selbst abzulenken. Zu sehr ist vielleicht in uns eine große Angst, etwas über uns selbst zu erfahren und daher setzen wir alles daran, nicht selbst in den Fokus der Kritik zu geraten.

Schauen wir aber genau hin, so haben wir bereits mit unserer Schuldzuweisung oder der Bezeichnung des Fehlers bei einem anderen soviel von uns preisgegeben, dass man häufig nur schmunzeln kann, wenn man eine solche Situation von außen betrachtet.

All dies ist aber gar nicht schlimm. So sind wir Menschen nun einmal, kann man dazu behaupten.

Sind wir uns nämlich dieses Spiels bewusst, können wir es entweder gezielt einsetzen oder uns selbst beobachten und daraus für unser Leben lernen.

Wenn wir uns also in Zukunft dabei »erwischen«, wie wir die Schuld bei einem anderen suchen oder krampfhaft bei dem anderen einen Fehler feststellen wollen, halten wir einfach ein paar Sekunden inne. Lassen wir es zu, dass wir darüber fröhlich lachen können. Wir haben soeben etwas über unser selbst erfahren, was uns viel über uns selbst erzählen kann.

Manches davon ist vielleicht schaurig, manches ist unheimlich, vieles ist aber auch einfach nur erstaunlich, schön, freundlich, fröhlich und kann uns Mut geben für unsere Zukunft.

Vielleicht sollten wir dabei uns nun nicht ermutigen, möglichst viele Fehler bei anderen suchen, damit wir diese in uns erkennen. Aber auch dies wäre eine Möglichkeit. Dabei sollten wir darauf achten, diese Fehler dann aber nicht offen auszusprechen, sondern vor dem Öffnen unseres Mundes innezuhalten und die Erkenntnis in uns selbst aufzunehmen.

Probieren Sie es aus. Oft ist es einfach nur lustig, was man über sich selbst erfährt. Wir alle sind Wesen, die gerne lernen und uns fortentwickeln wollen. Nutzen Sie dies. Hier und Heute. Jetzt!

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