Streitet Euch nicht

Streitet Euch nicht

Die streiten wie die Kesselflicker“ oder „Ein Herz und eine Seele“?
Zwischen diesen beiden Extremen bewegen wir uns oft mit geliebten Menschen. Entweder wir lieben sie abgöttisch oder wir streiten mit ihnen um die kleinsten und unbedeutenste Dinge.
Aber vielleicht ist das genau das Wesen eines Streits.
Streiten können wir nur, wenn uns wichtig ist, was der andere sagt. Ist es uns nämlich egal, drehen wir uns mit einem „Wenn Du meinst“ einfach um und lassen es gut sein.
Doch gerade wenn wir einen anderen Menschen mögen, fällt uns das schwer. Wir wollen von ihm geliebt werden. Er oder sie soll unsere Ansichten ebenfalls für gut befinden und so legen wir Wert darauf, dass wir gehört werden.
Eine andere Ansicht, egal ob in kleinen oder großen Dingen des Lebens, scheint uns einen unendlichen Stich in unser Herz zu geben. Dieser Stich wirkt umso schlimmer, als wir davon überzeugt sind, mit dem anderen „seelenverwandt“ zu sein.
Meist hat dies nichts damit zu tun, ob wir eine andere Meinung akzeptieren können. Wäre die gleiche Meinung, die uns nun unser geliebter Mensch sagt, nämlich von einer uns fremden Person gesagt worden, hätten wir sie wahrscheinlich zur Kenntnis genommen und weiter nicht beachtet. Denn dann wäre sie uns egal gewesen.
Ein Streit mit einem uns nahestehenden Menschen ist also eigentlich nichts anderes als ein Austausch von Meinungen, nur ein wenig vehementer.
Wenn wir es aus diesem Blickwinkel betrachten können, dann ist Streit also eigentlich nichts Schlechtes, sondern etwas durchaus Befruchtendes.
Er wird erst dann gefährlich, wenn er um seiner selbst Willen geführt wird. Wenn es nur noch darum geht, dass der oder die andere unbedingt unsere Meinung akzeptieren soll und wir uns dem darunterliegenden Gedanken der Liebe, der Zuneigung verweigert oder verschließen.
Dann nämlich wird der Streit zu einem Grabenkrieg, der weder zu gewinnen ist noch irgendeinen Sinn macht. Dann geht es nur noch darum, dem anderen seine Position klarzumachen und von der eigenen nicht mehr abzuweichen.
Schaffen wir es in einem solchen Moment, unseren Standpunkt, sei es auch nur für eine sehr sehr kurze Sekunde, gedanklich zu verlassen, so sind wir wieder offen für andere Blickwinkel, andere Perspektiven und vielleicht auch andere Meinungen.
Hören wir dem anderen zu. Vielleicht finden wir in seinen Worten etwas, das sich zu hören lohnt, eine neue Anregung, einen Hinweis auf das wahre, hinter dem Streit liegende Thema und greifen dies auf. So mancher Streit kann sich dadurch in Sekundenschnelle entschärfen lassen und führt zu ganz neuen Erkenntnissen, welche wir uns vorher nie erträumt hätten.
Ein Streit, in diesem Sinne geführt, ist -so seltsam es auch klingt- etwas Gutes, was sich oft zu führen lohnt. Ob es dann allerdings noch ein Streit im Sinne des Wortes ist oder eine anregende Diskussion, bleibt jedem selbst überlassen.
Was wir aber vermeiden sollten, ist der Streit um seiner selbst willen.
In diesem Sinne: „Streitet Euch nicht. Redet miteinander!

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